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Gronauer Hof



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 Ende einer Ära 

Gronau und der Gronauer Hof 

von Hans Karl Heinrich

Fotos von Christa Heinrich

aus dem „Blättche„ der Ev. Kirchengemeinde Gronau,
Ausgabe für Oktober/November 2009

Gronau ist ältestes Siedlungsgebiet aus karolingischer Zeit. Der Ort ist wohl wesentlich älter als seine erste urkundliche Erwähnung im Codex (Verzeichnis) des Klosters Lorsch vom 25. Februar 786 und hat demnach eine längere Geschichte als München oder Berlin. 
Ein Teil dieser Geschichte ist der „Gronauer Hof„, der eine bewegte Zeit hinter sich hat, die sich im Jahr des Herrn 2009 dem Ende zu neigt. 
Die letzten dreihundert Jahre können für seine tausendjährige Historie stehen: Seit 1691 befand sich das Hofgut im Besitz der Herrschaft Hanau und wurde als solcher 1806 von Napoleon an den Grafen Renier verschenkt, um nach Rückführung in Hanauer Besitz als Staatsdomäne im Jahr 1928 dem Land Hessen über-eignet zu werden. Zu jenem Zeitpunkt umfasste der Gronauer Hof 979 Morgen Land, Wiesen und Wald (ca. 94 ha) und wird als „eine ansehnliche Mayerey, Klein-Grunau genannt„ beschrieben. 
Doch die frühesten Besitzverhältnisse gehen auf das Spätmittelalter zurück. 

Spaziergang durch die Jahrhunderte 
 
Von 1427-1691 befand sich der Gronauer Hof, ebenso wie der Dottenfelder Hof, der im Volksmund auch heute noch als „Pfaffenhof„ bezeichnet wird, im Besitz des Prämonstratenserklosters von Ilbenstadt. Schon im Ilbenstädter Inventarium von 1539 wird das Gronauer Hofgut als „Cleingrunaw„ bezeichnet; 1582 wird eine Capelle erwähnt, die 1689 noch bestand und vermutlich die Mutterkirche der späteren Gronauer Kapelle war, an deren Stelle vor genau 290 Jahren die Gronauer evangelische Kirche, so wie wir sie kennen und lieben, errichtet wurde. 
Die früheste Erwähnung eines Geistlichen reicht tatsächlich in das Jahr 1290 zurück, damals gehörte Gronau zum Mainzer Archidiakonat St. Peter außer den Mauern. Er wird als „Pastor Gottschalk von Königstein„ bezeichnet und deswegen erwähnt, weil er 1290 ein Haus in Gronau an das Frankfurter Stiftskapitel übereig-net, das noch knapp 500 Jahre später auf einer Landkarte von Gronau als „Frftr. Hospital Hof„ bezeichnet wird. 

Ein letztes Kapitel 





Die Stallungen
 
Ein letztes Kapitel 

Doch zurück zum „Gronauer Hof„ und dem letzten Kapitel seiner Geschichte, das durch seinen Verkauf von der hessischen Landesregierung herbeigeführt und von der Kommunalverwaltung gewollt und vorangetrieben wurde. Es ist abzuwarten, ob angesichts der Renaturierungsmaßnahmen an der Nidda, die voll im Gang 
sind, für Gronau ein attraktives Naherholungsgebiet entsteht, oder irgendwann die Schilder mit „Achtung, tieffliegende Hartgummibälle!„ auftauchen. 
Tatsache ist, dass das, was der Gronauer Hof über Jahrhunderte hinweg war, er so nicht mehr sein wird: ein Teil der hessischen Kornkammer am Südwestzipfel der Wetterau. 
Leben auf dem Hof 



Zum letzten Mal Pferde auf der winterlichen koppel des Gronauer Hofes ?

Leben auf dem Hof 

Auch jeder Außenstehende und Nichtfachmann konnte erkennen, wenn er nur mit offenen Augen etwa an der Nidda in Richtung Karben unterwegs war, mit wie viel Sorgfalt und wohl auch Herzblut auf den Äckern des Gronauer Hofes konventionelle Landwirtschaft betrieben wurde. Wer dem Bauernhofgeruch nicht auto-matisch aus dem Weg ging und gleich einen großen Bogen um Schweinestall und Pferdekoppel machte, konnte sich denken, warum die Verlosung eines Spanferkels und der berühmten „Sau„, von der Pächterfamilie gestiftet, sich an der Gronauer Kerb außergewöhnlicher Beliebtheit erfreute. Und die wieder-käuenden Kühe auf den Wiesen zwischen Niddauferweg und Bahngleise waren bis vor einigen Jahren noch Teil eines Ambientes, das mancher Jogger, Walker und Radfahrer zu genießen wusste. 



Einfahrt zum Hof
 
„… füllet die Erde … „ 

Mit Familie Schwarz, die in zweiter Generation den Gronauer Hof und die dazugehörigen Äcker bewirtschaftet hat, wird in unserem nächsten Umfeld ein Zeitalter zu Ende gehen, das sich einer bäuerlichen Tradition verpflichtet weiß, nämlich einer landwirtschaftliche Nutzung des uns anvertrauten Lebensraumes, die biblisch verankert ist. „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.„ (1. Mose 2,28) lautet das Mandat, das wir Menschen von Gott im Blick den uns zugewiesenen Lebensraum erhalten haben. 



 Nilgänse auf dem ehemaligen Acker des Gronauer Hofs 

Vom Umgang mit der Schöpfung 

Wenn man die hebräische Bibel aufmerksam liest und genau hinhört, dann wird einem klar, dass es hierbei nicht um eine Beherrschung oder gar Unterjochung der Erde und aller Mitgeschöpfe durch den Menschen geht, auch wenn es dieses Missverständnis selbst unter Christen immer wieder gegeben hat. Für mich gehört verantwortungsbewusster Ackerbau, der die Lebensräume von Feldhasen, Reihern und Nilgänse schützt und dabei jene Erträge bringt, die eine Bewirtschaftung noch rentabel machen, zu dem, was Christen unter dem Stichwort „Bewahrung der Schöpfung„ zusammenfassen. 
Das bedeutet ein verantwortlicher Umgang mit dem Lebensraum. Es geht um die Bewahrung all dessen, von dem es am Ende der Schöpfungsgeschichte heißt: 
„Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.„ (1. Mose 2,31). 




Der Gronauer Hof im September 2011       Foto: Münchberg

Aus der Denkmal Liste Bad Vilbel - Gronau
Sachgesamtheit Gronauer Hofgut

Quelle:  http://www.denkmalpflege-hessen.de/ 
Unmittelbar westlich der Mündung der Nidder in die Nidda gelegen; urkundlich 1332 erstmals erwähnt, im Zeitraum von 1427 bis 1638 war der Hof im Besitz des Klosters Ilbenstadt, 1691 bis 1806 in dem der Grafschaft Hanau; nach mehreren Besitzerwechseln im 19. Jahrhundert wurde er 1928 Staatsdomäne. 1931 soll das heutige Wohnhaus entstanden sein, das sich mit seinem hohen Walmdach der Gestalt seines Vorgängerbaus annäherte. Im Osten eines länglichen Hofes dominiert es durch sein Volumen dessen Erscheinungsbild. Das Bauensemble wird von niedrigeren Wirtschaftsgebäuden auf den übrigen Seiten des Hofes vervollständigt. 
 

Sachgesamtheit Dottenfelder Hofgut

uelle:  http://www.denkmalpflege-hessen.de/ 
 An der westlichen Gemarkungsgrenze liegt am linken Nidda-Ufer das Dottenfelder Hofgut. Es soll vom Zeitpunkt der Stiftung des Klosters Ilbenstadt 1123 bis zur Säkularisation 1803 im Besitz des Klosters gewesen sein, nach der Aufhebung der geistlichen Besitztümer folgten häufige Eigentümerwechsel. Die erhaltene Baulichkeiten sind auf vier Seiten um einen gestreckten Hof angeordnet. Dominierend auf der östlichen Schmalseite des Hofes das zweigeschossige, massive ehemalige Herrenhaus mit Krüppelwalmdach. Auf seiner Hofseite ist neben einem Ilbenstädter Abtswappen die inschriftliche Datierung 1707 zu sehen. Von den Wirtschaftsgebäuden auf den übrigen Seiten des Hofes sind die im Süden zu Wohnzwecken umgenutzt. Wichtiger Bestandteil des denkmalgeschützten Anwesens ist ein nördlich des ehemaligen Herrenhauses gelegener Garten, der von einer Bruchsteinmauer eingefriedet ist.



 

Verkauf des Gronauer Hofs
(Antrag der Landesregierung vom 6.8.2007)

Quelle:  http://starweb.hessen.de/cache/DRS/16/5/07625.pdf 

Drucksache 16/07625


16. Wahlperiode
HESSISCHER LANDTAG
 
 
Drucksache 16/7625
08. 0 8. 2007
Dem
Haushaltsausschuss
überwiesen
 
Antrag 
der Landesregierung 
betreffend Veräußerung von 93,6 ha aus der 105 ha großen 
hessischen Staatsdomäne Gronauer Hof an die Stadt Bad Vilbel 
(50,2 ha) und die Gerty-Strohm-Stiftung, Frankfurt (43,4 ha)
hier:
Zustimmung zur Veräußerung durch den Hessischen Landtag 
nach § 64 Abs. 2 LHO
Dem Landtag wird der Antrag unterbreitet, der Veräußerung von Grundstü -
cken aus der hessischen Staatsdomäne Gronauer Hof zuzustimmen, und zwar
a) 50,2569 ha mit aufstehenden Wohn- und Wirtschaftsgebäuden an die 
Stadt Bad Vilbel zu einem Kaufpreis von 3.606.488,00  € und
b) 43,4042 ha an die Gerty-Strohm-Stiftung, Frankfurt, zu einem Kaufpreis 
von 1.111.147,52  €.
Begründung:
Die 105 ha große Staatsdomäne Gronauer Hof (Einzelhoflage im Außenbe -
reich) ist im Flächennutzungsplan des Planungsverbandes für den Raum 
Frankfurt/Rhein-Main als Fläche für die Landwirtschaft, darüber hinaus im 
Landschaftsplan auch für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen aus -
gewiesen. Weiter sind rund 45 ha der Domäne Bestandteil des Landschafts -
schutzgebietes "Auenverbund Wetterau". Ein Bebauungsplan liegt nicht vor.
Die Stadt Bad Vilbel hat den Erwerb von rund 50,2 ha aus der Domäne 
Gronauer Hof beantragt. Die Flächen sollen langfristig der Stadtentwicklung 
dienen. Weiter werden große Teile der Domäne (43,4 ha) für die Renaturierung der Nidda benötigt. Erwerber dieser Flächen ist die Gerty-StrohmStiftung, Frankfurt, die mit dem Projekt "Renaturierung der Nidda - Reakti -
vierung einer gewässernahen Auendynamik" befasst ist. 
Die Domäne ist für das Land entbehrlich und kann in dem beantragten Umfang veräußert werden. Die verbleibenden Restflächen der Domäne (rund 
11,4 ha) sollen  - sobald sie pachtfrei werden - dem benachbart liegenden 
Dottenfelder Hof zugelegt werden.
Die Domäne Gronauer Hof ist noch bis zum 30. Juni 2009 verpachtet. Die 
Erwerber treten als Verpächter in das Pachtverhältnis ein.
1. Vertragsentwurf mit der Stadt Bad Vilbel
Veräußert werden 50,2569 ha zum Gesamtpreis von 3.606.488,00  €. Die 
Kaufgrundstücke gliedern sich in
a) 47,3334 ha arrondierter Kernbereich der Ackerflächen,
b) 1,95 ha landwirtschaftliche Fläche nahe eines Baugebietes und
c) 0,9735 ha bebaute Fläche (Hofstelle und Vierfamilienwohnhaus).
Zu a:
Der Kaufpreis für den arrondierten Kernbereich der Domäne  beträgt
2.142.589,00 €. Der entsprechende Quadratmeterpreis von ru nd 4,50  € liegt 
im oberen Bereich der Richtwerte für Ackerflächen, die nach der Auskunft 
des Gutachterausschusses für den Bereich des Wetteraukreises zum 31. DeEingegangen am 8. August 2007   ·   Ausgegeben am 16. August 2007
 
 
Druck und Auslieferung: Kanzlei des Hessischen Landtags   ·   Postfach 3240   ·   65022 Wiesbaden 
Drucksache 16/7625
08. 0 8. 2007
Dem
Haushaltsausschuss
überwiesen
16. Wahlperiode
HESSISCHER LANDTAG2 Hessischer Landtag   · 16. Wahlperiode · Drucksache 16/7625
zember 2003 (bestätigt am 17. Februar 2006) zwischen 2,00 € und 6,00  €  j e  
qm betragen. Ergänzend ist auszuführen, dass ein aus dem arrondierten 
Kernbereich der Domäne beispielhaft ausgewähltes Grundstück mit Gutach -
ten des Gutachterausschusses für den Bereich des Wetteraukreises vom 18. 
Dezember 2003 mit 3,80 €/qm bewertet wurde.
Weiter wurde mit der Stadt Bad Vilbel vereinbart, dass in den Fällen einer 
Umwidmung der Kaufgrundstücke oder Teilen davon in eine höherwertige 
Nutzung die entsprechende, auf der Grundlage von Wertermittlungen festzu -
stellende Bodenwertsteigerung an das Land Hessen nachzuentrichten ist. Die 
Wertabschöpfung gilt auch für den Fall einer Weiterveräußerung von land -
wirtschaftlichen Flächen zu einem höheren Preis als dem Einstandspreis. 
Diese umfassende Wertabschöpfungsklausel wird durch eine entsprechende 
Vormerkung im Grundbuch gesichert und gilt für die übliche Dauer von 15 
Jahren.
Zu b:
Für die in der Nähe eines Baugebietes liegende landwirtschaftliche Fläche 
wurde ein Kaufpreis von 146.250,00  € vereinbart. Der entsprechende Quad -
ratmeterpreis (7,50  €) liegt über den vorstehend genannten Richtwerten für 
Ackerland. Im Übrigen will die Stadt Bad Vilbel das Grundstück zeitnah in 
die Bauleitplanung einbeziehen, sodass dann der Unterschiedsbetrag zwi -
schen dem Einstandspreis und dem Wert für Bauland abzüglich anrechenba -
rer Kosten der Stadt an das Land Hessen nachentrichtet wird. 
Zu c:
Für die bebauten Teile der Domäne (Hofstelle = 8.390 qm und Vierfamilienwohnhaus = 1.345 qm) wurden als Kaufpreis insgesamt 1.317.649,00  € vereinbart (Hofstelle = 966.227,00  €, Vierfamilienwohnhaus = 351.422,00  €) .  
Die Kaufpreise basieren auf gutachterlich ermittelten Werten.
Von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen wurde n  im 
November 2002 der Bodenwert und Sachwert der Hofstelle mit insgesamt 
1.205.194,00 € ermittelt. Dieser Wert, der im April 2007 nochmals bestätigt 
wurde, beinhaltet auch die Werte der von dem Domänenpächter vorgenom -
menen werterhöhenden baulichen Investitionen (238.967,00  €). Nach den 
Allgemeinen Pachtbedingungen für die Domänen des Landes Hessen ist der 
Pächter für diese Werte zu entschädigen. Die der Pächterfamilie zustehende 
Entschädigung hat bei Pachtablauf die Stadt Bad Vilbel zu leisten. Als Kauf -
preis für die Hofstelle wurde mit der Stadt Bad  Vilbel daher ein Betrag von 
1.205.194,00 € – 238.967,00  € = 966.227,00  € vereinbart.
In dem Sachverständigengutachten vom November 2002 wird der Wert des 
Vierfamilienwohnhauses insgesamt mit 403.062,00  € und der Wert der vom 
Domänenpächter vorgenommenen werterhöhenden baulichen Investitionen 
mit 51.640,00  € angegeben. Die Werte wurden ebenfalls im April 2007 
nochmals bestätigt. Als Kaufpreis für das Vierfamilienwohnhaus wurde 
demnach ein Betrag von 403.062,00  € – 51.640,00  € = 351.422,00  € ver -
einbart. Die der Pächterfamilie zustehende Entschädigung für werterhöhende 
bauliche Investitionen hat auch hier bei Pachtablauf die Stadt Bad Vilbel zu 
leisten.
Auch beim Verkauf der bebauten Teile der Domäne wurde für die übliche 
Dauer von 15 Jahren zugunsten des Landes die Möglichkeit vereinbart, 
künftige  Wertsteigerungen abschöpfen zu können, für den Fall, dass die 
bebauten Grundstücke zu einem höheren Preis als dem Einstandspreis wei -
terveräußert werden. Dabei bleiben durch Aufwendungen des Eigentü -
mers/Nutzers begründete Wertsteigerungen unberücksichtigt.
Der von der Stadt Bad Vilbel an das Land zu zahlende Gesamtkaufpreis von
3.606.488,00 € (für a: 2.142.589,00 €, b: 146.250,00 €, c: 1.317.649,00 €)  
ist vier Wochen nach Beurkundung des Kaufvertrages fällig. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bad Vilbel hat bereits dem Grundstücksge -
schäft zugestimmt
 
 
 
2. Vertragsentwurf mit der Gerty-Strohm-Stiftung
Veräußert werden 43,4042 ha, die zur Renaturierung der Nidda eingesetzt 
werden sollen. Die Gerty-Strohm-Stiftung ist mit dem Projekt der Zoologi -
schen Gesellschaft Frankfurt,  "Renaturierung der Nidda - Reaktivierung 
einer gewässernahen Auendynamik", befasst. Partner sind die Stadt Bad 
Vilbel und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz 
(HGON). 
Die Kaufgrundstücke, die innerhalb des Landschaftsschutzgebietes  "Auen -
verbund Wetterau" liegen, sollen gemäß Planung der Zoologischen Gesell -
schaft Frankfurt im Wesentlichen für eine weitgehende Umgestaltung der 
Uferbereiche der Nidda, für die Anlage von Flutrinnen in der Aue und die 
Rückverlagerung der Dämme verwendet werden. Auch soll die Nidda im 
Bereich der zu erwerbenden Grundstücke einen Sukzessionskorridor von 50 
bis 300 m Breite erhalten. Damit den Belangen des Offenlandcharakters 
Rechnung getragen wird, sollen große Teile des Planungsgebietes als Flä-
chen zur extensiven Beweidung genutzt werden.
Mit dieser Renaturierungsmaßnahme, die im Übrigen nach dem Landespro -
gramm  "Naturnahe Gewässer" gefördert werden soll, können zwei bereits 
durchgeführte Renaturierungen an der Nidda verbunden werden. Somit wird 
im Sinne der Biotopvernetzung auch zur Erhöhung der Artenvielfalt entlang 
von Fließgewässern beigetragen. Die Renaturierung ist ferner nach der Was -
serrahmenrichtlinie (WRRL) erforderlich und sinnvoll. Bisher herrscht in 
der Nidda die Strukturgüteklasse 6-7 vor. Diese kann durch die geplanten 
Maßnahmen  - entsprechend de n Zielen der WRRL - voraussichtlich auf 
Güteklasse 3 angehoben werden. Schließlich kann mit der Renaturierungs -
maßnahme auch ein Beitrag für den Hochwasserschutz geleistet werden, da 
insoweit im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet flussaufwärts von Bad 
Vilbel zusätzlicher Retentionsraum geschaffen wird.
Der vereinbarte Kaufpreis beträgt 1.111.147,52  €. Der entsprechende Quadrat -
meterpreis von 2,56  € ist im Hinblick auf die vorgesehene Verwendung der 
Grundstücke für Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen angemessen und liegt 
im Übrigen innerhalb der Bandbreite der Richtwerte von 2,00  € bis 6,00  € je 
qm.
Ebenso wurde wie unter Nr. 1 für die übliche Dauer von 15 Jahren ein Wiederkaufsrecht zugunsten des Landes für den Fall vereinbart, dass die Kauf -
grundstücke oder Teile davon nicht dem vereinbarten Zweck entsprechend 
verwendet werden. Das Wiederkaufsrecht  gilt auch für den Fall einer Wei -
terveräußerung der Kaufgrundstücke oder Teilen davon. Anstelle der Aus -
übung des Wiederkaufsrechts kann die gegebenenfalls eingetretene Wertstei -
gerung am Grund und Boden vom Land abgeschöpft werden. Das Wieder -
kaufsrecht wird  durch Eintragung einer Vormerkung im Grundbuch dinglich 
gesichert.
Der zu zahlende Kaufpreis ist vier Wochen nach Beurkundung des Kaufver -
trages fällig.
Die Zustimmung des Hessischen Landtages nach § 64 Abs. 2 LHO ist erfor -
derlich, da der  "volle Wert" der zu veräußernden Grundstücke mehr als 
500.000 € beträgt (Nr. 5.8 der VV zu § 64 LHO).
Wiesbaden, 6. August 2007
Der Hessische Ministerpräsident                     Der Hessische Minister der Finanzen
Koch                                                             Weimar
 

Meldung des Vilbeler Anzeiger vom 06.12.2007

 

Der Gronauer Hof ist gekauft! – Das Parlament hat das Geschäft am 20. November einstimmig abgesegnet

 
Fast schon verwaist ist der Gronauer Hof. Aber der Pachtvertrag läuft noch. Foto: Hirschmann
 
Bad Vilbel. Der Kaufvertrag über den Gronauer Hof ist unterzeichnet worden. Damit geht die hessische Staatsdomäne „zu einem beachtlichen Teil", so Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), in das Eigentum Bad Vilbels und zum Teil der Umweltstiftung von Hansgeorg Jehner über. Das Parlament hat das Geschäft am 20. November einstimmig abgesegnet. Zum Kaufpreis äußerte sich der Rathauschef nicht. Noch gehört der Gronauer Hof mit den Ländereien nicht den neuen Eigentümern, denn die Beurkundung, der Grundbucheintrag und die Kaufpreiszahlung müssen noch abgewickelt werden. Danach wird sich auf dem Gronauer Hof zunächst nichts ändern, so lange der Pachtvertrag läuft. Langfristig soll ein Teil für Renaturierungen an der Nidda herangezogen werden. Das Land hat in den Vertrag Sicherungsklauseln aufnehmen lassen, die verhindern, dass über einen bestimmten Zeitraum Flächen weiter verkauft und die Nutzung geändert werden kann. (bep)
 

 

16.10.2008

Meldung des Vilbeler Anzeiger vom 16.10.2008


Wie sieht die Zukunft des Gronauer Hofes aus?

Das Land der ehemaligen Staatsdomäne Gronauer Hof wird von Naturschützern, Landwirten und Stadtentwicklern begehrt.  Fotos: Deul

Das Land der ehemaligen Staatsdomäne Gronauer Hof wird von Naturschützern, Landwirten und Stadtentwicklern begehrt. Fotos: Deul

Bad Vilbel. Friedlich grasen Pferde an den Nidda-Wiesen, im Innenhof lagern Strohballen. Das herbstliche Idyll des Gronauer Hofes ist jedoch trügerisch. Denn um das Land der ehemaligen Staatsdomäne herum sind etliche Grundstücksgeschäfte im Gang. Während ganz im Stillen zusätzliches Land für den Naturschutz erworben wird, beklagt die Vilbeler SPD, die Öffentlichkeit werde nicht informiert. Die Öko-Bauern des Dottenfelderhofes zeigen sich enttäuscht, dass die Stadt ihre dringenden Wünsche auf zusätzliches Land ignoriere. Kürzlich grassierten gar Gerüchte, auf dem Areal sei eine Jugendherberge geplant.

Nach fünfjährigen Verhandlungen hatte die Stadt Bad Vilbel im vergangenen November für 3,6 Millionen Euro 50 Hektar der Domäne vom Land erworben. Weitere 43 Hektar gingen für 1,1 Millionen Euro an die Gerty-Strohm-Stiftung des Bad Vilbeler Notars Hansgeorg Jehner. Die Grundstücke innerhalb des Landschaftsschutzgebietes „Auenverbund Wetterau“ sollen für eine Umgestaltung der Uferbereiche der Nidda, die Anlage von Flutrinnen in der Aue und die Rückverlagerung der Dämme verwendet werden. Die Auen sollen auf einer Breite von 50 bis 300 Meter als Überflutungsfläche zum Hochwasserschutz genutzt werden.

Doch die Pläne stocken, denn Jehner sei gerade dabei, das Areal „weit über die Höhe des Dortelweiler Golfplatzes hinaus Richtung Norden auf die Karbener Gemarkung hin zu erweitern“, teilt der Bad Vilbeler FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn auf Anfrage mit. Derzeit würden Grundstücke hinzugekauft. Das trifft sich mit den Plänen der Hessischen Landgesellschaft (HLG), die die Domäne verkauft hat. Die Ausweitung gebe „einen großen Schwung für die Nidda-Renaturierung“, so HLG-Geschäftsführer Harald Müller. Mit den renaturierten Flächen von „mindestens 30 Hektar“, so Müller, könne die HLG-Fachabteilung Öko-Agentur für Hessen auch Öko-Punkte als Ausgleich für Straßenbaumaßnahmen des Landes sammeln. „Die Planungen laufen“, versichert Müller. Man wolle den Umbau „ganz schnell angehen“, wenn im Juni 2009 der Vertrag des bisherigen Pächters, Ferdinand Schwarz, auslaufe. Die HLG hat ihm „schon vor einem Jahr“ ein neues Domizil verschafft, den „Nonnenhof“ in Ilbenstadt.

Weiter unklar ist jedoch die künftige Nutzung des von der Stadt erworbenen Areals. Im Rathaus war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Josef Maetz, Vorsitzender der CDU-Mehrheitsfraktion im Stadtparlament, betonte, man habe noch keine eigenen Pläne, „die Stiftung geht voran“. Der städtische Anteil werde für die Renaturierung nicht benötigt und solle langfristig an die Landwirte weiterverpachtet werden – „auch der Dottenfelderhof kann sich bewerben“. An eine teilweise Bebauung des Areals sei frühestens in 15 Jahren gedacht. Damit reagiert die Stadt auf eine Wertabschöpfungsklausel im Vertrag der Landesregierung, wonach bei einem früheren Verkauf Nachzahlungen fällig sind. Gedacht sei lediglich daran, auf Gronauer Seite das jetzige Wohngebiet am Glossop-Ring in Richtung Nidda zu erweitern, berichtet Maetz. Das Gutsgebäude könne eventuell als Reiterhof genutzt werden.

Unzufrieden mit der bisherigen Entwicklung ist Martin von Mackensen, einer der Geschäftsführer des Dottenfelderhofes. Er ist enttäuscht darüber, dass es von der Stadt trotz Anfragen „schon vor längerer Zeit keinerlei Rückmeldung“ gebe. Dabei sei der Dottenfelderhof zur Sicherung der derzeit 126 Arbeitsplätze dringend auf zusätzliches Land angewiesen. Vor allem für die Getreidezüchtung würden Flächen benötigt, aber auch für das Futter der Milchviehhaltung, betont von Mackensen. Es gehe nicht darum, den Betrieb auszuweiten, sondern um Arrondierung.

Mangelnde Transparenz der Vorgänge beklagt auch der Vilbeler SPD-Parteivorsitzende Udo Landgrebe: „Wir fischen da im Trüben“. Man begrüße das Renaturierungs-Projekt, doch sei bedauerlich, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen werde. Deswegen überlege er, eine Anfrage im Stadtparlament zu stellen, kündigt Landgrebe an.

Von Dieter Deul