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Kirchenchronik 1954-55

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 Kirchenchronik von Pfr. Broscheit

 Gronau 1954 - 55




April 1954

Wir schafften im April 1954 eine Hostienbüchse und zwei Leuchter und zwei Vasen für den Altar der Kirche an. 
Ebenso pflanzten wir in den Pfarrgärten wieder 4 Bäume wie im vorigen Jahr.
 
Es sollen noch beschafft werden: Von der Firma Eggert, Hamburg 24, Mundsburger Damm 4,  1 Weinkanne versilbert Nr. 9857 = 97,50 DM, 1 Taufkanne 30.—DM- 1 Taufbecken 23,25 (9829 und 9822).
Ansonsten für das Kirchenzimmer zwei große Drucke: Die Stuppacher Madonna von Grünewald und die Jünger von Emmaus von Rembrandt.
In Niederdorfelden sind in diesem Frühjahr  zwei Hostienbüchsen und ein Kreuz für den Altar beschafft.
 
                                      
Mathias Grünewald: Die Stuppacher Madonna            
Rembrandt: Die Emmausjünger

( Seite 139 )

 
Am 13. Juli 1954 einem Dienstag, fuhr der Frauenkreis um 9 Uhr mit dem Omnibus von Herrn Reichert, Kilianstädten durch den Taunus ( Königstein - Rettershof - Idstein- Bad Schwalbach - Singhofen - St. Goarshausen - Loreley - Asmannshausen - Niederwalddenkmal - Rüdesheim - Wiesbaden - Hochheim am Main - Frankfurt - Gronau ) an den Rhein und Main.
Es waren 3 Männer und 37 Frauen.
Die Reise war für uns alle eine angenehme Unterbrechung des Alltags.



Frau Broscheit, die Pfarrersfrau wie sie viele Gronauer kennen, 1954 
 
Im September 1954 wurde nun auch die Nordseite des Pfarrhauses umgedeckt und erneuert. Ebenso wurde die Waschküche im Hofgebäude erneuert und der Schornstein neu errichtet. Alles war da am einstürzen. Der Schornstein wegen Brandgefahr unbenutzbar.
Auch in diesem Frühjahr haben wir einige Bäume gepflanzt: Die Birke am Eingang zum Pfarrhof am Haus und zwei Pfirsichbäume im Garten; im Garten am Haus einen Wallnussbaum und hinten an der Jauchegrube einen Haselnusstrauch.
 
Anfang Oktober sammelte ich von Haus zu Haus für die Erneuerung der Kirchenfenster, die zum Teil sehr schadhaft geworden sind, einige sind durch die letzten Stürme herausgefallen.
Für das Kirchenzimmer ein Kruzifix angeschafft.
In der Woche vom 7. - 14. November 1954 habe ich um die Kirche 16 Bäume gepflanzt, um den Raum um die Kirche lebendig zu gestalten. Mögen sich die Kommenden daran erfreuen.
Ebenso wurden auf dem Pfarrhof die Bäume verschult, damit sie freier und schöner wachsen können.
Zwei weitere Leuchter wurden für die Kirche angeschafft aus den Gaben der Gemeinde, deren Lichte zu den Abendmahlsfeiern angesteckt werden.
Der Frauenkreis sandte in der Adventszeit 9 Pakete in die Ostzone.



Aufführung am 16. Mai 1954 im Saale Wenzel

1955

Die große Reparatur im Inneren des Kirchengebäudes Februar 1955

Im September 1954 begann ich wieder, von Haus zu Haus, von Familie zu Familie zu gehen, um zu den durch Krippenspiel und Gemeindeabend gesparten Geldern einige hundert Mark zu erbitten. Diese Bettelgänge sind mir oft körperlich und seelisch Hart geworden, aber da wir vom Landeskirchenamt keine Hilfe zu erwarten haben, weil die großen Kirchen in den reichen Gemeinden immer zuerst bedacht werden und daher für eine Gemeinde wie Gronau nichts übrig bleibt - sind wir gezwungen, aus eigener schwacher Kraft unsere viel zu große Kirche so gut es eben geht zu erhalten.



Der neugestaltete Altar 1955

Was in den letzten 100 Jahren versäumt wurde, lässt sich in den sechs seit der Währungsreform, also seit 1948, nicht gut machen. Wir konnten daher mit unseren 900 Mark zunächst nur die  fünf großen Einsturzstellen der Decke reparieren und bis zum Gesims die gesamte obere Kirche erneuern. Dann wurden die Bänke ausgebaut, der Altar, dessen Umzäunung zusammenbrach, bekam durch Wegnahme dieses überflüssigen, vermorschten Zaunes ein neues Aussehen. Außerdem wurden noch die Fensterscheiben erneuert, die Wände und Fensterbänke bis zu den Emporen ausgebessert und gestrichen. So erhielt die Kirche ein sauberes und würdigeres Gesicht.
 
Das Streichen der gesamten Wände hätte noch 1500 DM gekostet und das Ausmalen der Einrichtung soll 3500 DM  kosten, Summen, die wir einfach nicht aufbringen können. Vielleicht gelingt es uns in den nächsten Jahren, für den Kokosläufer im Gang  und um den Altartisch zu sparen.
 
Auch das Dach ist durch den großen Sturm im Januar 55 wieder schadhaft geworden und muß bald gemacht werden. Die Arbeiten wurden ausgeführt vom  15.2.55 - 15.3.55
 
Konfirmanden 1955

Hier noch einmal das Bild in besserer Qualität


 

( Seite 142 )
Im Juni 1955 wurden das Amts- und Wohnzimmer unten und der ganze Flur im Pfarrhaus renoviert nach 45 Jahren ! Unser Sohn Horst-Otto legte die beanstandeten elektrischen Leitungen unter Putz, erneuerte eine Zählertafel und beteiligte sich auch sonst an den Instandsetzungsarbeiten. Herr Weisbinder und Ortsdiener Weisenstein machte die Malerarbeiten, der Wagner Gerhard Wenzel die Holzarbeiten. Gesamtkosten ca. 800.—DM, von denen 500.—DM die pol Gemeinde übernahm, die wegen der hohen Schulden (60 000.—DM) ihren Anteil von 750.—DM auf 500.—DM kürzte.
 
Der Herbst 1955 brachte eine sehr gute Ernte bei schönstem Wetter, so machte ich mich denn wieder auf die Sammeltour für einen Läufer im Mittelgang der Kirche Gronau, Fußmatten, zwei Vasen für den Altar und eine Abendmahls-Weinkanne.
Diese Bettelgänge haben neben dem Zweck, die Möglichkeit, in jedes Haus der Gemeinde zu kommen auch ohne den Anlass einer Krankheit oder Amtshandlung. Man gewinnt die Bestätigung aus eigener Anschauung des Bildes, das man sich im Lauf der Jahre von den Familien gemacht hat.
Welch eine innere Armut manchmal. Auf den kleinsten Höfen meistens eingesperrte, halb wahnsinnige Hunde ! Auf den Bauernhöfen liegen die Tiere meist an einer viel zu kurzen Kette. Ich habe den Eindruck, weder in Gronau noch in Niederdorfelden weiß der Mensch, wie er diese Tiere quält.

Sonst herrscht besonders in den Arbeiterhäusern eine erstaunliche Sauberkeit und auch in den Neubauten macht sich ein gewisser Wohlstand bemerkbar, der vom ungeheurem Fleiß der Leute stammt. Vielleicht arbeiten wir Deutsche etwas zuviel. Die wenigsten hier kennen Sonntags- und Feiertagsruhe. Wer an diesen Tagen nicht arbeitet, gilt als auffällige Ausnahme; „er hat es nicht nötig"!
Der Kirchenbesuch beträgt seit Jahren höchstens 3 %. Oft ist auch nicht ein Ältester in der Kirche. Man muß nun in der einstelligen Zahl denken lernen. Würde meine Frau mir nicht helfen, stände ich in der kirchlichen Arbeit ganz alleine.
 
Am Dienstag nach Totensonntag 1955, also am 22.11. brachte ich in der Friedhofskapelle den aus meiner Heimatgemeinde Hirschfeld stammenden Kruzufixus an. Auf der Rückseite befindet sich ein Schild mit folgender Inschrift: „Dieser Oberammergauer Kruzufixus stammt aus der evgl. Kirche Hirschfeld Kr. Pr. Holland in Ostpreussen. Er hat die Gemeinde am 22.1.1945 beim Verlassen ihrer Heimat begleitet."
 
Als Schlußstück beschafften wir von Stuttgart durch die Hanauer Bibelgesellschaft eine in Saffian künstlerisch gebundene Bibel für den Altar der Kirche in Gronau.
 
Damit haben wir das Kirchengebäude außen und innen soweit es die Mittel erlaubten hergestellt und ausgestattet.
 
Als letzte Pflanzung für viele Jahre haben wir heute, am 22. November 1955  auf dem Pfarrhof 10 Rosen und 36 Tulpen gesetzt und am Pfarrhaus eine Sauerkirsche und im Pfarrgarten an der Bahn 2 Sauerkirschen gepflanzt.
 

Zu den weiteren Kirchenchronikseiten: 

Kirchenchronik  1947 - 50
Kirchenchronik  1951 - 53
Kirchenchronik  1954 - 55
Kirchenchronik  1956 - 57
Kirchenchronik 1958 - 60


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