Gronau - Hessen - Nassau
Geschichts - Schmiede Gronau

Die Kanzel


Zurück zur Hauptseite


 


Die Kanzel

von Walter Heil

Dieser Beitrag erschien in der Festschrift 1200 Jahre Gronau der "Bad Vilbeler Heimatblätter" 1986.
Herr Walter Heil hat ihn freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Zum Schluß wollen wir uns der letzten künstlerischen Aussage unserer Kirche, der Kanzel mit ihrem besonderen Schalldeckel, zuwenden. Hier begegnet uns eine Symbolik, ein heiliges Zeichen, das durch das Zusammentreffen einer natürlichen Erscheinung mit der Spähre des Göttlichen entsteht. Damit erhält ein an sich profaner Gegenstand - das Pelikanmotiv - einen religiösen Sinn und vermittelt so dem Menschen die Gegenwart des Heiligen. Neben dem Fisch gehört das Pelikanmotiv zu den ältesten christlichen Zeichen. Bereits im 3. Jahrhundert erscheinen solche Darstellungen auf altchristlichen Lampen. Man schreibt dem Pelikan die Fähigkeit zu, seine Jungen mit dem Blute seiner aufgerissenen Brust zu nähren. Von Augustus wie auch von anderen Kirchenschriftstellern wird besonders dieses Vogelmotiv als Symbol des leidenden Christus, seines Opfertodes, gedeutet und somit auf die heilige Eucharistie be-zogen. Im Mittelalter und in der Barockzeit finden wir diesen Pelikan auf Altären und bei Kreuzen. Daß er aber über einer Kanzel seinen Platz gefunden hat, ist äußerst selten, ja vielleicht sogar einmalig.

  Der Gronauer Pelikan
 
Auf einem reich verzierten Schalldeckel tragen acht geschweifte, bewegte Stützbögen, einer Kuppel gleich, das Nest mit der Pelikanmutter und deren drei Jungen. Aus der tiefen, klaf-fenden Brustwunde will sie die bettelnden Kleinen mit ihrem Blute nähren. Die großen Flügel sind ausgebreitet und vermitteln so eine schützende Wärme.
Es war bestimmt kein berühmter Meister, der diese Gruppe anfertigte, denn wir erleben hier eine echt volkstümliche, ja naive Arbeit. Um so stärker zeigt diese Darstellung aber in ihrer Aussagekraft das Symbol der sich aufopfernden Mutterliebe.
Der barocke Schalldeckel der Kanzel war im Laufe der Zeit durch Holzwurmbefall stark ge-schädigt worden. Die Landeskirche Kurhessen/ Waldeck in Kassel lehnte die benötigten Geldmittel für eine Restaurierung ab, es sollte praktisch alles entfernt werden.